„du bist wie das (meer)”
Die vielseitige österreichische Künstlerin CHRISTL ist Autorin, schreibt Lieder und setzt all das in ihrer Malerei visuell um. Ihr feministischer Kunstpodcast „FRAU PICASSO“ wird unsere Art, über Kunst zu sprechen und zu denken, verändern. Ich liebe jede einzelne Folge, weil man sofort das Gefühl bekommt, es tratschen zwei Besties lowkey über ihre iconic Kunst. Bisherige Gästinnen waren etwa die Gründerin und Creatorin Theresa Ziegler, die Künstlerin Sophia Süßmilch und die Journalistin Alex Stanic. Jeden ersten Sonntag im Monat freue ich mich über eine neue Folge – so real, sympathisch und inspirierend!
→ „FRAU PICASSO“
Außerdem habe ich die alten Folgen von „Alltagsgeschichten“ mit Elizabeth T. Spira wiederentdeckt. In jeder Folge werden Österreicherinnen und Österreicher auf so menschliche und filmisch spannende Weise porträtiert – unterhaltsam und zugleich nachdenklich stimmend. Die Folgen kann man kostenlos auf ORF ON nachschauen. Zuletzt habe ich mir die Folge „Frauen in der Fabrik“ (1994) angesehen. Darin geht es um Fabrikarbeiterinnen, deren Leben durch eintönige Akkordarbeit oft von privatem Unglück oder Frust geprägt ist. Es ist verrückt, dass Gleichberechtigung nach all den Jahren immer noch keine Selbstverständlichkeit ist – ES IST 2026!
→ „Alltagsgeschichten“
Kürzlich war ich bei dem Konzert des österreichischen Musikers Lukas Oscar im Wiener Konzerthaus, bei dem er sein neues Album „Everything built to last“ vorstellte. Die Songs haben richtig gehittet! Ich liebe den Bass, seine Stimme, die grenzgenialen Übergänge und die großartigen, verspielten Texte.
→ „Everything built to last“
… und zu guter Letzt etwas, auf das ihr euch Ende März freuen könnt! Ich habe die besondere Möglichkeit, die unveröffentlichten Songs des österreichischen Musikers Apollo Sissi regelmäßig zu hören, weil ich unter anderem Musikvideos und Visuals für sein neues Album shoote. Ich kann es nicht erwarten, bis ihr es alle hören könnt! Als Vorgeschmack sind schon einige Singles draußen. Zum Beispiel „du bist wie das (meer)”. Boah, unbedingt mit dicken Kopfhörern anhören! Der Rest kommt am 20. März.
→ Apollo Sissi
MALA KOLUMNA (*1997) ist eine österreichische Fotografin und Kreativdirektorin. Zu ihren Auftraggeberinnen und Kollaborationen zählen unter anderem Aurora, Bilderbuch, My Ugly Clementine, Mavi Phoenix, Oehl und Lukas Oscar.
„Das Unsichtbare sichtbar machen“
Wer faszinierende Bilder an der Grenze von Kunst und Technik mag, sollte sich „XERO“ von Luke Evans ansehen. Die Arbeit ist im VISTA (dem Besucherzentrum des Institute of Science and Technology in Klosterneuburg) zu finden. Der englische Künstler macht dort das Unsichtbare sichtbar: Elektrizität.
Dafür nutzt er ein Experiment des Physikers Georg Christoph Lichtenberg, das dieser vor über 200 Jahren erfunden hat. Mit einem Hochspannungsgenerator und feinem Lasertoner hält Evans fest, wie sich elektrische Ladungen auf einer Oberfläche, beispielsweise einer Harzscheibe, ausbreiten. Die dabei entstehenden Figuren sehen aus wie filigrane Wurzeln oder Nervenbahnen. Sie zeigen eindrucksvoll, wie ästhetisch physikalische Prozesse sein können, und machen deutlich, dass Energie eine komplexe, natürliche Ressource ist, über die es noch viel zu erforschen gibt!
Neben Evans’ Arbeit gibt es in der Dauerausstellung „Science in the Making“ noch viele weitere spannende Beiträge zu entdecken (u. a. von Maximilian Prüfer, Fragmentin, Jason Klimatsas, Process Studio oder mischer’traxler). Die Projekte spiegeln auf künstlerische Weise wider, woran die internationalen Teams direkt nebenan auf dem ISTA-Campus forschen.
→ VISTA
Die Wiener Künstlerin JUDITH FEGERL (*1977) studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien sowie an der Universität für angewandte Kunst Wien. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Erforschung symbiotischer Beziehungen: zwischen Mensch und Maschine, Körper und Technik sowie Raum und Zeit.
„Traurigkeit, die mich zufrieden macht.“
Neue Musik mag ich nicht, und alles, was gehypt wird, verweigere ich erst recht. Eine Ausnahme mache ich jedoch bei dem Chansonnier Tristan Brusch, denn seine Musik klingt anachronistisch. Laut dem dänischen Philosophen Kierkegaard wird das Leben vorwärts gelebt und rückwärts verstanden. Mit seinem Album „Am Anfang“ vollendet Tristan Brusch seine rückwärts erzählte Trilogie. Nach den Alben „Am Rest“ und „Am Wahn“ kehrt er dorthin zurück, wo alles begann. Bei der Kindheit, dem Verlust der Unschuld und der Frage: Wie bin ich so geworden?
Ich durfte dieses Album letztes Jahr auf zwei Konzerten hören. Wenn „Geboren um zu sterben“ erklingt, fühle ich mich endlich. Wenn „Vierzehn“ erklingt, fühle ich mich für immer jung, und eine Traurigkeit kommt auf, die mich richtig zufrieden macht.
Sie sagt mir: Sei verbunden mit dem inneren Kind, verzeih! Den Eltern, den anderen, dir selbst. Brusch meint, „Am Anfang“ sei ein Album über Gnade, also unverdiente Vergebung. Kann ich mich lieben, ohne stolz auf mich zu sein? Kann ich die anderen lieben, ohne mit ihnen einverstanden zu sein?
Dies wird in dem Lied „Für Theo“ greifbar, das Brusch auf dem Vorgängeralbum „Am Wahn“ für seinen Sohn geschrieben hat. Für mich trifft es den Kern der ganzen Trilogie. Einem Kind zu sagen: Sei alles, was du willst. Sich selbst zu sagen: Sei gnädig. Vielleicht ist es dasselbe.
OEHL ist ein österreichisches Indie-Pop-Projekt rund um den in Wien lebenden Sänger, Songwriter und Texter Ariel Oehl (*1988). Das Projekt wurde durch Songs wie „Keramik“ oder „Wolken“ sowie durch das Debütalbum Über Nacht (2020), das beim Label Grönland Records erschien, bekannt.
„Mehr Zeit fürs Spiel“
Ein Kunstwerk, das mich in letzter Zeit besonders beschäftigt hat, ist die Edition einer überdimensionalen Büroklammer. Dieses Projekt haben wir als Galerie gemeinsam mit der deutschen Künstlerin Xenia Lesniewski (*1985) realisiert. Ich freue mich darüber aus mehreren Gründen: Einerseits, weil Xenia meine Freundin ist, andererseits, weil es zu den wenigen Editionen zählt, die wir selbst verlegt haben. Vor allem aber begeistert mich, wie assoziativ dieses Objekt ist.
Die Büroklammer kennt man meist schon aus Kindertagen. Für mich spiegelt sie ein Stück meiner eigenen Biografie wider, nämlich den Beamtenstatus meines Vaters. Er war außerdem mehrfach im diplomatischen Dienst tätig – ob in Belgrad oder Ankara, Büroklammern gab es überall. Sie verbindet, was fragend, fraglich oder selbstverständlich erscheint: Paragraphen, Protokolle und Paraphrasen – meist bürokratisch und „square“. Und doch ist sie als Gegenstand das Gegenteil. Man kann sie biegen, als Dietrich in Schlössern benutzen, aneinanderreihen oder gar kleine Skulpturen aus ihr formen.
In gewisser Weise ist sie auch mein Objekt, da ich mit ihrer Produktion beauftragt war. Eine Aufgabe, die ich – angesichts meiner begrenzten schlosserischen Fähigkeiten – an meinen langjährigen Freund Valentin Ruhry weitergab. Mithilfe eines 3D-Druckers entwickelte er eine Biegevorrichtung mit zahlreichen „Nubsis“, die immer wieder neu fixiert, versetzt oder gelöst werden mussten, bis schließlich die ersten fünf Exemplare entstanden.
Im Maßstab 6,7:1 aus ihrem ursprünglichen Bürokontext gelöst, kehrt die Klammer schließlich genau dorthin zurück. Erstmals gezeigt wurde sie im Jänner 2026 im Trianon Tower, einem Bürohochhaus in Frankfurt am Main, in der Vorstandsetage – im Rahmen der zweiten Ausgabe des viertägigen Galerieformats „House of Galleries“.
Bei genauer Betrachtung erinnert sie an den vergrößerten Blick durch das Okular eines Mikroskops: Spuren der Herstellung, Patina, feine Kratzer und Details werden sichtbar, für deren Wahrnehmung man keine Brille benötigt. Von ihrer ursprünglichen Funktion entbunden, wird sie zugleich zum Spiegel eines gesellschaftlichen Wandels. Vielleicht bleibt uns die klassische Büroarbeit eines Tages weitgehend erspart und es bleibt mehr Zeit fürs Spiel.
CORNELIS VAN ALMSICK schloss sein Architekturstudium an der Technischen Universität Berlin ab. Zuvor hatte er an der Hochschule für angewandte Kunst Wien in der Meisterklasse von Zaha Hadid studiert. Anfang 2017 eröffnete er gemeinsam mit Magdalena Zeller die Galerie Zeller van Almsick in Wien.
„Ordnung und Zufall“
Beim Betrachten von Kunst wird der Botenstoff Dopamin ausgeschüttet, der auch bei gutem Essen oder Sport freigesetzt wird. Das reduziert Stress und stärkt die emotionale Resilienz.
Aktuell läuft die Ausstellung „Master & Apprentice“ im designforum Wien, die in Kooperation mit der Kunstakademie Vilnius entstanden ist. Die Schau zeigt litauisches Design und vereint Designerinnen unterschiedlicher Generationen, Disziplinen und Hintergründe. Präsentiert werden Objekte, die die Beziehungen zwischen Körper, Material, Handwerk und Umwelt erforschen. Traditionelle litauische Materialien und Techniken werden durch zeitgenössische, spekulative Ansätze neu interpretiert und eröffnen einen Dialog zwischen Natur und Technologie, Ordnung und Zufall.
Es ist die erste Ausstellung, die ich als neue Geschäftsführerin von designaustria im designforum Wien verantworte. Die Zusammenarbeit mit engagierten Kuratorinnen und visionären Designschaffenden, der intensive Austausch mit Menschen aus der ganzen Welt und die damit verbundene Erweiterung meines Horizonts sind für mich ein großes Glück!
ELLI SCHINDLER (*1983) ist seit 20 Jahren als Kultur- und Designmanagerin tätig. Im Oktober 2025 übernahm sie die Geschäftsführung von designaustria und dem designforum Wien.