Welches Kunstwerk hat Dich in letzter Zeit glücklich gemacht?

Text: Rahel Schneider, Elisa Promitzer

„Die Art, über Kunst zu sprechen und zu denken, verändern“

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Außerdem habe ich wieder die alten Folgen „Alltagsgeschichten“ von Elisabeth T. Spira entdeckt. Jede Folge porträtiert Österreicherinnen und Österreicher auf so menschliche und filmisch spannende Weise – unterhaltsam und zugleich nachdenklich stimmend. Man kann die Folgen gratis auf ORF ON nachschauen. Zuletzt habe ich „Frauen in der Fabrik“ (1994) geschaut, es geht um Fabrikarbeiterinnen, deren Leben durch eintönige Akkordarbeit oft geprägt ist von privatem Unglück oder Frust. Es ist verrückt, dass Gleichberechtigung nach all den Jahren immer noch keine Selbstverständlichkeit ist – ES IST 2026!

Kürzlich war ich beim Konzert des österreichischen Musikers Lukas Oscar im Konzerthaus, bei dem er sein neues Album präsentiert hat. Die Songs haben richtig gehittet! Ich liebe den Bass, seine Stimme, die grenzgenialen Übergänge und die verspielten, großartigen Texte.

Ich habe die besondere Möglichkeit, die unveröffentlichten Songs des österreichischen Musikers Apollo Sissi regelmäßig zu hören, weil ich unter anderem Musikvideos und Visuals für sein neues Album shoote. Und ich kann es nicht erwarten, bis ihr es alle hören könnt! Als Vorgeschmack sind schon Singles draußen. Zum Beispiel „du bist wie das (meer)”. Boah, unbedingt mit dicken Kopfhörern anhören! Der Rest kommt am 20. März.

XERO – Luke Evans

Ein absolutes Highlight für mich war die Arbeit XERO des englischen Fotografen Luke Evans in der Dauerausstellung „Science in the Making“ im VISTA, dem Besucherinnenzentrum des Forschungscampus ISTA - Institute for Science and Technology Austria, in Maria Gugging.  

Luke Evans hat eine historische Versuchsanordnung des Physikers Georg Christoph Lichtenberg nachgestellt und erfolgreich sogenannte "elektrische Figuren" auf Papier gebannt. Diese fein verästelten Zeichnungen zeigen, wie positive und negative elektrostatische Ladungen aussehen und sich auf einem isolierenden Material zb einer Harzscheibe manifestieren. Luke  Evans hat die faszinierenden und flüchtigen Gebilde mit einem Hochspannungsgenerator und Toner von Laserdruckern erzeugt und auf Papier festgehalten. Dabei lassen sich viele Analogien zu Formen aus der Biologie und belebten Natur entdecken und vermitteln dadurch, dass Energie eine sehr komplexe natürliche Ressource ist, über die es noch viel zu erforschen gibt.  

Neben meiner Lieblingsarbeit von Luke Evans sind auch super spannende Beiträge von Maximilian Prüfer, Fragmentin, MischerTraxler, Jason Klimatsas, Process Studio und vielen anderen zu sehen und entdecken. Die Dauerausstellung im VISTA reflektiert durch künstlerische Projekte und wissenschaftliche Anordnungen, an welchen Themen internationale Wissenschaftlerinnen am ISTA Campus forschen. 

Am Anfang –Tristan Brusch

Am Anfang –Tristan Brusch

Neue Musik mag ich nicht, erst recht verweigere ich alles, das gehypt wird. Eine Ausnahme mache ich beim Chansonnier Tristan Brusch, denn seine Musik klingt anachronistisch. Laut Kierkegaard wird das Leben vorwärts gelebt und rückwärts verstanden: mit seinem Album „Am Anfang" vollendet Tristan Brusch seine rückwärts erzählte Trilogie:Nach „Am Rest" und „Am Wahn" landet er dort, wo alles begann. Bei der Kindheit, dem Verlust der Unschuld, der Frage: Wie bin ich so geworden? Ichdurfte dieses Album letztes Jahr auf zwei Konzerten hören. Wenn „Geboren um zu sterben" erklingt, fühle ich mich endlich. Wenn „Vierzehn" erklingt, fühle ich mich für immer jung und da kommt eine Traurigkeit auf, die mich richtig zufrieden macht. Sie sagtmir: Sei verbunden mit dem inneren Kind, verzeih! Den Eltern, den anderen, dir selbst. Brusch meint „Am Anfang" sei ein Album über Gnade, also unverdiente Vergebung. Kann ich mich lieben, ohne stolz auf mich zu sein? Kann ich den anderen lieben, ohne einverstanden zu sein? Das wird greifbar in „Für Theo", einem Lied, das Brusch auf dem Vorgängeralbum „Am Wahn" für seinen Sohn geschrieben hat und das für mich den Kern der ganzen Trilogie trifft. Einem Kind zu sagen: Sei alles, was du willst. Sich selbst zu sagen: Sei gnädig. Vielleicht ist es dasselbe.

Büroklammer

Ein Kunstwerk, das mich in letzter Zeit besonders beschäftigt hat, ist die Edition einer überdimensionalen Büroklammer, die wir als Galerie gemeinsam mit Xenia Lesniewski realisiert haben. Natürlich freue ich mich über dieses Projekt, weil Xenia meine Freundin ist und weil es eine der wenigen Editionen ist, die wir als Galerie verlegt haben. Vor allem aber begeistert mich, dass es sich um ein derart assoziatives Objekt handelt.

Die Büroklammer kennt man meist schon aus Kindertagen, und für mich spiegelt sie ein Stück meiner eigenen Biografie wider: den Beamtenstatus meines Vaters, der nicht nur Beamter war, sondern mehrfach im diplomatischen Dienst tätig, ob in Belgrad oder Ankara, Büroklammern gab es überall. Sie ist ein verbindendes Objekt, das zusammenhält, was fragend, fraglich oder selbstredend ist, Paragraphen, Protokolle wie Paraphrasen, meist bürokratisch und „square“. Und doch ist sie als Gegenstand das Gegenteil: Man kann sie biegen, als Dietrich in Schlössern benutzen, aneinanderreihen oder gar kleine Skulpturen aus ihr formen.

In gewisser Weise ist es auch mein Objekt, da ich mit der Produktion beauftragt war, eine Aufgabe, die ich aufgrund meiner begrenzten Fähigkeiten in der Schlosserei an einen langjährigen Freund übergab: Valentin Ruhry. Mithilfe eines 3D-Druckers entwickelte er eine Art Biegevorrichtung mit zahllosen „Nupsis“, die fixiert oder jeweils neu gesetzt oder gelöst werden mussten, bis er mir schließlich die ersten fünf Klammern übergab.

Im Maßstab 6,7:1 aus dem Bürokontext herausgelöst, kehrt die Büroklammer schließlich genau dorthin zurück: Erstmals gezeigt im Jänner ’26 im Trianon Tower in Frankfurt, in der Vorstandsetage, im Rahmen von House of Galleries. Betrachtet man sie genau, wirkt sie wie der vergrößerte Blick durch das Okular eines Mikroskops: Spuren der Herstellung, Patina, kleine Kratzer, Details, für die man keine Brille braucht.

Von ihrer ursprünglichen Funktion entbunden, wird sie zugleich Spiegel eines gesellschaftlichen Wandels. Vielleicht bleibt uns die Büroarbeit eines Tages weitgehend erspart und es bleibt mehr Zeit fürs Spiel.

Ausstellung: „Wien. Meine Geschichte“ im Wien Museum

Was für ein Glück, dass wir in einer Stadt mit so einem reichen Kulturangebot leben! An einem verschneiten Samstag im Jänner habe ich mich auf den Weg ins Wien Museum am Karlsplatz gemacht. Die permanente Schau dort ist wirklich beeindruckend: Sie verbindet historische Objekte, Alltagskultur und die politische Entwicklung zu einer vielschichtigen Erzählung über Wien. Es ist der perfekte Ort, um die eigene Stadt nochmal ganz neu zu entdecken!

Is it acceptable to wear fur?

Text: Collage: Elisa Promitzer

Fur existed long before humans even knew what clothing was. But over time its importance faded—relegated to pimps and prostitutes, it was abandoned by the fashion world in response to protests by animal rights activists. It has now resurfaced in the form of fake fur, today it is even being grown in laboratories. Cozy or cruel? We talk to fashion theorist Barbara Vinken.