Lederhosen treffen auf Durags, Flamenco auf nordafrikanisches Handwerk, Eleganz auf Punk. Mit dem jungen Fashionlabel MIRANDA MATONDO entwerfen Danaide Miranda und Marie Matondo Kollektionen, die kulturelle Identitäten neu zusammensetzen – selbstbewusst, sinnlich und ohne Klischees.
Olivia Theofanidis: Ich fange an, ihr macht weiter. Eure Label ist jung ...
Dana: ... rebellisch und gleichzeitig elegant. Unsere Kollektionen haben ein bisschen einen Punk-Twist und sie symbolisieren Vielfalt und Offenheit.
Marie: ... atmet einen stark afro-atlantischen Spirit! Bekleidung jenseits binärer Geschlechterkategorien, das spielt auf jeden Fall eine große Rolle.
Ihr bedient Euch oft kultureller Zitate, wie etwa der ledernen Durags in der ersten Kollektion „edelweiss“ (2025). Das sind Kopfbedeckungen, die eng mit der afroamerikanischen Kultur verbunden sind. Eure aktuelle Kollektion „mosaico“ (2026) verhandelt Identitäten und greift kulturelle Einflüsse auf. Ihr verwendet Leder und Seide mit Verzierungen aus Onyx, Türkis, Silber und Koralle und zitiert damit nordafrikanische Handwerkskunst. Was hat es damit auf sich?
Marie: Wir kennen uns seit der Schulzeit, seit über zehn Jahren und seitdem arbeiten wir kreativ zusammen! Dana und ich haben schon damals unser Taschengeld zusammengespart und sind damit gemeinsam verreist. Das hat uns unglaublich viel gegeben. Diese Reisen haben unseren Blick auf die Welt und die vielen Kulturen nachhaltig geprägt und sind bis heute eine wichtige Inspirationsquelle für unsere Arbeit.
Dana: Es geht uns nicht darum, kulturelle Referenzen als reine Ästhetik zu übernehmen. Uns interessieren die Geschichten, das Wissen und das Handwerk, die dahinterstehen. Deshalb ist es für uns auch so wichtig, unsere Recherche mit Reisen zu verknüpfen und selbst vor Ort zu sein. Unsere Arbeiten sind keine Reproduktion traditioneller Objekte, sondern zeitgenössische Interpretationen.
Ihr seid beide Frauen mit diversen Wurzeln. Was bedeutet das für Eure Arbeit?
Marie: Dana ist Spanierin und ich bin Österreicherin und Angolanerin. Dadurch habe ich mich in jungen Jahren viel mit mir selbst und meiner Identität beschäftigt, gerade als schwarze Frau in Österreich. Wir haben viel über unsere Herkunft geredet, sind auf diese Weise mit spirituellen und kulturellen Themen in Berührung gekommen. Wir haben Halt in diesen Gesprächen gefunden.
Für ihre erste Kollektion „edelweiss“ reisten die beiden nach Nigeria. Die Kollektion setzt sich mit ihrer Identität als Österreicherinnen auseinander und zeigt ein diverses Bild von Österreich.
Eure aktuelle Kollektion „mosaico“ referiert auf den Flamenco?
Dana: Als Spanierin war ich schon immer von dieser Tanzform fasziniert. Mit meiner Begeisterung konnte ich Marie anstecken. Beim Flamenco gibt es den Begriff „Duende“, er beschreibt eine höhere Kraft, die den Körper beim Tanz einnimmt. Das kann man nicht in Worte fassen, damit ist ein übermenschliches Gefühl gemeint. Der Flamenco ist aus vielen kulturellen Einflüsse entstanden und geht auch auf Wurzeln in Nordafrika zurück.
Seid Ihr auch gemeinsam nach Nordafrika gereist?
Marie: Wir waren sogar einen ganzen Monat in Agadir, Marokko, um die Handwerkskunst und die Materialien vor Ort zu entdecken und zu recherchieren. Wir konnten neben einer professionellen Produktion auch mit einer Familie zusammenarbeiten, die schon seit Generationen traditionellen Schmuck handfertigt. So ist die aktuelle Kollektion „mosaico“ entstanden.
Dana: Für unsere erste Kollektion „edelweiss“ sind wir auch gemeinsam nach Lagos, Nigeria gereist. Die Kollektion setzt sich mit unserer Identität als Österreicherinnen mit multikulturellem Hintergrund auseinander und zeigt ein diverses Bild von Österreich. Wir wollten das unser Team in Nigeria die österreichische Kultur und Mode neu interpretiert und mit österreichischen Stoffen und auch Schnittmustern arbeitet. Einer unserer Schneider bekam zum Beispiel ein Schnittmuster für eine Leder- beziehungsweise Trachtenhose. Er war völlig schockiert und meinte nur: „What’s that?“
Könnt Ihr Euch an das erste kreative Projekt erinnern, dass Ihr gemeinsam verwirklicht habt?
Dana: Seit Beginn unserer Freundschaft sind wir gemeinsam kreativ. Begonnen hat alles mit den ersten Fotoprojekten. Das erste professionellere Projekt, das wir shooten durften, hieß „Flower and a Cube“. Inspiriert ist es von dem Gedicht „A Panther’s Daughter“ unseres Freundes Sebastian.
Marie: Der Panther als Symbol für Güte, Schönheit und Kraft ist heute immer noch Teil unseres Logos!
Bei der Show der Modeklasse der Universität für angewandte Kunst Wien im Juni 2026 erhielt Marie Matondo eines der Fred Adlmüller-Stipendien in Höhe von 2.000 Euro.
Der Launch Eures Labels 2025 war nicht der Anfang, ihr arbeitet ja schon länger zusammen auch wenn Dana Grafikdesign studiert hat und Marie an der Angewandten bei Professor Craig Green studiert.
Unser erster größer Job war, für ein Theater in Berlin ein Kostüm zu designen. Für den Amadeus Austrian Music Award 2026 haben wir Conchita Wurst eingekleidet, dafür wurden wir sogar von der Stylistin angefragt! Was übrigens total toll war, ist, dass Stefan Lenglinger, der bekannte ORF-Moderator, auch mit afrikanischem Background, zu unserem Launch gekommen ist.
Wie erlebt Ihr als Nachwuchsdesignerinnen die Modeszene in Wien? Hat sie Potential?
Dana: Wenn ich die hiesige Modeszene mit der in Paris, Mailand oder London vergleiche, ist sie schon eher sehr klein. Dafür gibt es jedoch sehr viel Unterstützung von der öffentlichen Hand und alles ist viel privater. Wir werden beispielsweise finanziell von der Austria Fashion Association unterstützt und natürlich auch von unseren Freundinnen, Freunden und unseren Familien. Uns wird extrem viel Liebe und Support in dieser Stadt entgegengebracht. Wien hat sehr großes Potenzial, eine Metropole für junge, kreative Designer und Designerinnen zu werden. Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir da was beitragen können.
„Viele fragen uns: Wie teilt ihr euch die Arbeit auf? Wie könnt ihr alles gemeinsam machen? Aber es ist tatsächlich so, dass wir alles gemeinsam machen. Es gibt keinen einzelnen Bereich, den wir nicht gemeinsam verantworten.“
Über was könnt Ihr streiten?
Dana & Marie: Nichts!
Dana: Die Leute denken, wir beide sind verrückt! Wir sind ein Kopf, wir müssen Ideen nicht aussprechen, wir haben immer dieselben. Da wir uns auch schon so lange kennen, haben wir einen sehr ähnlichen Bezug zur Welt und dadurch auch einen ähnlichen Lebensstil und eine ähnliche Mentalität.
Was ist Euer nächstes große Ziel?
Dana: Paris! Wir waren 2025 sogar dreimal zu den Fashion Weeks dort, waren bei vielen Shows eingeladen und haben die Stadt richtig intensiv erlebt. Wir wollen einfach nach Paris! Die Stadt verkörpert komplett unsere Ästhetik und gibt uns das Gefühl, uns kreativ noch stärker entfalten zu können.
Marie: Ein eigenes Team aufzubauen ist gerade ein wichtiges Thema für uns. Es fällt uns zugegebenermaßen schwer, unser Baby in andere Hände zu geben und Verantwortung auch an andere zu übertragen. Aber das wird früher oder später notwendig sein, wenn wir höher hinauswollen.
Was würdet Ihr Euch wünschen, dass jemand in zehn Jahren über Eurer Label sagt?
Dana & Marie: Wir wünschen uns, dass die Menschen sehen, wie viel Leidenschaft in allem steckt, was wir tun und wie wichtig unsere Freundschaft für das Label ist. Wir wünschen uns, dass unsere Community als das gesehen wird, was sie für uns wirklich ist: eine kleine Familie, ohne die unsere bisherige Reise nicht dieselbe gewesen wäre.
Danke für das Gespräch!
Danaide Miranda und Marie Matondo wuchsen beide in einem Haushalt mit sieben Geschwistern auf. Gemeinsam gründeten sie 2025 ihr Label MIRANDA MATONDO. Für ihre Arbeit wurde das Wiener Label mit dem Startstipendium Mode 2025 ausgezeichnet. Die mit 9.000 Euro dotierte Förderung zählt zu den wichtigsten Auszeichnungen für aufstrebende österreichische Modedesignerinnen. Ihre Kollektionen verbinden kulturelle Recherche mit Eleganz, jungem Spirit und einem Punk-Touch. Ihre neuste Kollektion „mosaico“ ist seit Anfang Juni 2026 über ihren Online-Shop erhältlich.