Wie können wir optimistisch bleiben? Was geschieht nach dem TOD? Wir treffen die neue evangelisch-lutherische Bischöfin CORNELIA RICHTER im Künstlerhaus Wien. Dort wird die umstrittene Ausstellung Du Sollst Dir ein Bild machen gezeigt. Anlass für ein kontroverses Gespräch über Resilienz, Missbrauch in der Kirche, Geschmacklosigkeiten und Berührendes.
Wir werden am Eingang des Künstlerhauses Wien von dessen künstlerischem Leiter Günther Oberhollenzer mit einem „Grüß Göttin“ willkommen geheißen – eine Arbeit von Ursula Beiler (2020). Gemeinsam gehen wir durch die von Günther Oberhollenzer mit kuratorischer Assistenz von Miriam King kuratierte Ausstellung „DU SOLLST DIR EIN BILD MACHEN. Zeitgenössische Kunst und religiöses Erleben".
Sie ist in sieben Kapitel gegliedert: IKONE, (SCHEIN-)HEILIGKEIT, KREUZ, AUFERSTEHUNG, GÖTTLICHKEIT, MADONNA und LETZTES ABENDMAHL. Nur noch bis 8. Februar 2026!
Oben: Ursula Beiler, Replik der Tafel „GRÜSS GÖTTIN“, 2020, beschichtete Aluminiumplatte mit Klebebuchstaben, 67,2 x 402,2 x 6 cm
Elisa Promitzer: Frau Bischöfin, verraten Sie uns etwas, das wenige von Ihnen erwarten würden!
Cornelia Richter: Ich besitze den LKW-Führerschein – 38 Tonnen mit Anhänger! Ich kann sogar noch Zwischengas geben und Zwischenkuppeln.
Beeindruckend! Wie bleiben Sie in dystopischen Zeiten wie diesen optimistisch?
Gottvertrauen! Ich kann es nicht anders erklären. Die Welt war schon so oft in einem katastrophalen Zustand. Aber Aufgeben ist in dieser Frage keine Alternative. Was uns alle eint, ist die Sehnsucht nach einem guten Leben. Es gibt Momente, in denen wir weinen. Es gibt Momente, in denen wir fertig sind. Aber es geht weiter.
Die österreichische Künstlerin Deborah Sengl antwortet mit ihrem Werk „Von Schafen und Wölfen" (2008, Präparat, Wachs, Textil, Gebetsstuhl, 150 x 100 x 100 cm).
„Die Kritik ist berechtigt, aber es gibt sie seit der Reformation", so die Bischöfin. „Viele Menschen haben schon damals der Kirche vorgeworfen, Wasser zu predigen und selbst Wein zu trinken. Da kann man es niemandem verdenken, wenn man mit so einer Kirche nichts zu tun haben will. Ich finde Deborah Sengls Kunstwerk eher harmlos: Wenn man sich anschaut, welche Darstellungen zur Zeit der Reformation gegen den Papst im Umlauf waren, dann ist das hier erwartbar.“
Wie stellen Sie sich Gott vor?
Sobald ich glaube, Gott in genauer Gestalt vor mir zu sehen, entzieht er sich. Es gibt viele Bilder von ihm – und zugleich keines. Die Bibel spricht von Licht und Wasser, von Lebenskraft und Wüstensturm, von Schutz und Zärtlichkeit wie bei einer Henne mit ihren Küken oder von Größe bei einem Adler, der majestätisch seine Flügel über uns ausbreitet.
Wir treffen uns heute im Künstlerhaus Wien, wo die umstrittene Ausstellung „Du sollst dir ein Bild machen“ gezeigt wird. Ihr erster Eindruck?
Als Bischöfin möchte ich natürlich sehen, was gezeigt und diskutiert wird. Ich war schon einmal hier. Ich mag moderne Kunst, und meine Erwartungen wurden bestätigt: Manche Werke finde ich geschmacklos, bei anderen fehlen theologisches Wissen und die theologische Tiefe. Aber einige Werke beschäftigen mich nachhaltig – die trägt man geistig mit hinaus.
Lois Hechenblaikner kombiniert historische Aufnahmen aus Tirol, meist in Schwarz-Weiß (1936–1970), mit eigenen Farbfotografien, um den Wandel der Region von bäuerlicher Tradition hin zum Massentourismus sichtbar zu machen.
„Diese Konstellation ist genial: Sie mahnt, aufzupassen, wem man Verehrung schenkt. Anstelle von Hansi Hinterseer könnte dort auch jemand wie Trump stehen – die Botschaft bleibt dieselbe“, so die Bischöfin.
Warum waren Gottesabbildungen im Alten Testament verboten?
In den Zehn Geboten steht: Du sollst dir kein Bild machen. Gemeint war: Kein Kultbild im antiken Sinn. Aber mal ehrlich: Wir Menschen können gar nicht anders, als in Bildern zu denken.
Was ist dann das Problem?
Die Frage ist, ob ich das Bild absolut setze oder erkenne, dass es nur ein Bild ist. Schon in der Antike wusste man: Wer Gott in ein Kultbild setzt, erfasst nur die Statue oder die sichtbare Hülle. Die Geschichte vom brennenden Dornbusch im Alten Testament zeigt das schön: Auf dem Berg Horeb erscheint Moses Gott in einem Busch, der brennt, ohne zu verbrennen. Gott stellt sich selbst vor – mit den Worten: „Ich bin, der ich bin!“, im Hebräischen als JHWH, das Tetragramm seines Namens. Aber ihn selbst sieht Moses nicht. Gott ist also immer schon anders, sobald wir glauben, ihn zu fassen. Das zieht sich bis ins Neue Testament: Denken Sie an die Emmaus-Jünger. Sie erkennen Jesus, als er das Brot bricht und im selben Moment verschwindet er vor ihren Augen.
Wir müssen akzeptieren, nicht alles wissen zu können – oder zu müssen!
Das ist die Pointe: Gott ist immer mehr und anders, als wir uns vorstellen können.
Meine Mutter ist Religionslehrerin in der Volksschule. Ich besuchte als Kind mit ihr Familienmessen, las Fürbitten, erinnere mich an das Lichtermeer zu Allerheiligen am Friedhof. Ich versuche, selbst noch herauszufinden, woran ich wirklich glaube, aber diese Traditionen will ich nicht missen. Wie ist es, wenn Eltern ihren Kindern diese Tradition nicht mehr nahebringen? Können die sich dann frei entscheiden?
Nein, können sie nicht. Die Eltern nehmen ihnen die Chance zur Entscheidung. Ich teile daher eher Ihre Erfahrung. Unsere Eltern haben uns zu nichts gezwungen. Trotzdem musste ich als Kind oft mit zu Gottesdiensten, und ja, es war manchmal sterbenslangweilig. Unter der Bank haben wir auch mal mit Matchboxautos gespielt. Die Pfarrerskinder mussten sich ja immer besonders gut benehmen. Trotzdem hat mich unsere Tradition berührt, ich bin voller Kindheitserinnerungen. Wenn man so tut, als würde man die Entscheidung offenhalten, indem man Kindern diese Traditionen gar nicht erst zugänglich macht, nimmt man ihnen die Chance, sich bewusst dafür oder dagegen zu entscheiden.
Das Ölgemälde „Transsurfing" (2024, 190 x 140 cm) von Thomas Riess. Bischöfin Richter: „Wer zu Gott geht, geht ins Licht. Bei diesem Bild bleibt auch der Moment des Gehens spürbar.“
Sie wuchsen in einem protestantischen Pfarrhaus in Bad Goisern am Hallstättersee auf, einem Ort im Salzkammergut. Ihr Großvater war evangelischer Pfarrer …
… und meine Großmutter, die erste Frau, die sich in Bonn das Theologie-Examen erstritt. Meine Mutter spielte Orgel, mein Vater predigte – ich war für alle „s‘Dirndl vom Pfarrer Richter“. Kirche war für mich so selbstverständlich wie Zähneputzen. Der Kirchenraum, mit seinen Farben, dem Licht, den Gerüchen, war mein Spielzimmer, mein Wohnzimmer, mein Zuhause.
Nach der Matura schwankten Sie zwischen Theologie- und Musikstudium. Haben Sie schon mal den Glauben verloren?
Das hat mich so noch niemand gefragt. Moment, da muss ich kurz in mich gehen!
Schicksalsschläge haben Sie viele erlebt …
Ich habe in meinem Kopf eine Liste mit Fragen an Gott, und die wird mit den Jahren immer länger. Wenn man auf einer Geburtsstation steht, überall hört man Babys schreien, und dann gibt es dieses eine Zimmer, in dem es totenstill ist. Das ist grausam. In solchen Momenten steht man, auch als Pfarrerin, hilflos da und fragt: Muss das sein? Ob ich je Antworten bekomme? Wahrscheinlich keine, die in unsere sonstige, rationale Welt passt. Das ist schwer auszuhalten, aber verloren habe ich den Glauben nie.
Mit Jesus sprechen? KI macht es möglich. Für die KI-Installation „Deus in Machina" (2024/2025, Größe variabel) von Philipp Haslbauer, Marco Schmid und Aljosa Smolic wurde in einem Beichtstuhl ein Bildschirm installiert, auf dem ein digital generierter Jesus zu sehen ist. Menschen können mit ihm über ihre Sorgen, Gedanken oder Fragen sprechen – und erhalten Antworten von der KI.
Wie ist Ihnen das gelungen?
Ich habe dafür ein Bild, das mich trägt. Stellen Sie sich ein zwei- oder dreijähriges Kind vor: Es tobt, schreit, wirft sich auf den Boden, ist wütend auf Mutter oder Vater – und klettert im nächsten Moment doch zu ihnen hoch, um getröstet zu werden. Genau so erlebe ich das: Ich weine mich in Gott hinein. Abstrakt gesagt, ist er für mich das, was bleibt, wenn alles andere wegbricht – der letzte Sinnhorizont. Ich wüsste gar nicht, wohin sonst.
Als Sie zwölf Jahre alt waren, starb Ihr Vater, vor 15 Jahren Ihr Ehemann, beide an Krebs. Als Ihr Mann die Diagnose erhielt, habilitierten Sie gerade zum Thema Vertrauen. Wie ging das alles zusammen?
Drei Monate, nachdem ich dieses Thema für mich gefunden hatte, bekam mein Mann die Diagnose, und wir wussten beide, das wird jetzt hart. Plötzlich war Vertrauen zu unserem Lebensthema geworden. Viele Wissenschaften befassen sich mit Vertrauen, die Theologie ebenfalls – allerdings unter dem Begriff Fiducia, das ist der lateinische Begriff für Vertrauen. Die Disziplinen reden dabei aber oft aneinander vorbei, zumindest damals. Ich wollte sie miteinander verbinden.
„Ich hätte lieber nicht erfahren, ob ich resilient bin.“
Skulptur „Lux" (Licht) aus dem Jahr 2013 des Südtiroler Künstlers Paul Sebastian Feichter.
Holz, Farbe, Schlagmetall, 380 x 36 x 3,5 cm / 380 x 22 x 3,5 cm / 380 x 22 x 3,5 cm
Wie?
In meiner Forschung geht es nicht um Vertrauen als Wohlfühlbegriff, sondern darum, wie Vertrauen in Krisen und Grenzsituationen entsteht und sich bewährt. Was passiert, wenn Vertrauen nicht mehr rational zu begründen ist – aber trotzdem bleibt? Wenn alles zusammenbricht, man sich im Bodenlosen verliert, man im freien Fall ist und Vertrauen trotzdem möglich ist – das bezeichne ich als Gottvertrauen.
Resilienz ist auch eines Ihrer Forschungsthemen. Wir hätten gerne alle mehr davon. Verraten Sie uns, wie wir sie erlangen!
Man malt Resilienz oft zu oberflächlich: mit Sonnenhut, Sonnenbrille, Sturm kommt – alles kein Problem. Wir prüfen sie immer erst, wenn jemand in einer schweren Krise steckt. Ich hätte lieber nicht erfahren, ob ich resilient bin, wenn mein Mann dafür noch leben würde. Deshalb habe ich in unserer Forschungsgruppe eine härtere Lesart vertreten: Resilienz ist ein Krisenphänomen, und Negativität muss integriert werden. Hoffnung ist nur echt, wenn sie die Schatten, das Schwierige und Schmerzliche miteinschließt.
„Haben die alten Vorstellungen der Glaubenslehre noch Sinn?"
„These Viennese Saints" (2021/2025, Mischtechnik, Aktion (9. Nov. 2021), je 150 x 100 cm) von Johannes Rass würde Cornelia Richter persönlich abhängen:
„Eva (linkes Bild) wird hier mit einer Schlange dargestellt, die in der religiösen Tradition für Sünde steht und zugleich sexuell aufgeladen ist. Das finde ich banal und oberflächlich. Sexualität an sich ist keine Sünde, auch die Bibel sieht das so. Sie schildert selten Sex, eher enge Beziehungen und Nähe.“
Rechts zeigt Rass, dessen Arbeit sich zwischen (Licht-)Installation und Objekt, Fotografie und Performance bewegt, die Pietà, also Maria mit Jesus.
Was passiert nach dem Tod?
Das weiß niemand, aber zugleich kann uns keiner die Vorstellung nehmen, dass der Verstorbene „bei Gott“ ist. Denn „bei Gott“ ist eine Formulierung, in der alle Bilder möglich sind. Als mein Mann starb, malte mein damals neunjähriger Neffe ein rotes Sofa. Darauf saßen Oma, Opa, mein Mann – sogar die verstorbene Katze. Für ihn war dieses Sofa der Himmel. Wir haben gelacht, aber der Trost, den mein Neffe aus diesem Bild genommen hat, ist auf uns Erwachsene übergeschwappt. Und das ist nicht nichts. Das ist viel! Ich würde mir kein rotes Sofa malen, aber mir ist klar geworden: Was für eine schöne Vorstellung, und ja, stimmt! Einfach weg sind die alle nicht. Man spürt sie in Erfahrungen, Geräuschen oder auch in Dingen, die sie uns hinterlassen haben …
… ich trage jeden Tag den Ring meiner verstorbenen Großmutter.
Hervorragend! Es gibt Schutz, Wärme. So wie ein Lichtstrahl, ein Moment der Wärme, ein Sonnenaufgang: All das sind Erfahrungen, die man man persönlich nehmen darf, als eine Art Gruß von oben. Und: Nur weil etwas schmerzhaft ist, muss man nicht wegrennen.
Pigmentdruck „Blood Madonna" (2011, aus der Serie „Holy Works", 152,4 x 127 cm) von Andres Serrano: „Das Werk thematisiert für mich eine Frage, die viel zu selten gestellt wird", so die Bischhöfin. „Wie ist es Maria eigentlich ergangen? Nicht als Idealbild oder Projektionsfläche, sondern als Frau mit einer eigenen Geschichte.“
Haben Sie Angst vor Ihrem eigenen Tod?
Nein!
Wirklich gar keine?
Die Stunden davor können schwer sein, sehr schwer. Doch der Moment, in dem der Atem aussetzt und sich die Gesichtszüge entspannen, ist der friedlichste, den man sich vorstellen kann. Mein Mann starb in meinen Armen. Es war fürchterlich traurig – und zugleich war es ein wunderschöner, fast heiterer Moment. Immer wenn ich spüre, dass jemand bald stirbt, denke ich mir: „Jetzt könnt ihr da oben aufmachen. Ihr könnt schon einmal Spalier stehen.“ Es ist ein Abschied, ja, aber gleichzeitig auch ein Übergang.
Das klingt alles schön, trotzdem verlassen immer mehr Menschen die Kirche. 2024 traten insgesamt 71.531 Personen in Österreich aus der katholischen und 6.753 aus der evangelischen Kirche aus. Was läuft schief?
Ich glaube, dass junge Menschen oft gar nicht mehr wissen, was in Kirche und Theologie passiert. Wenn ihre Eltern der Kirche nicht mehr verbunden sind, dann fehlt ihnen ja jeder Vergleich.
„Ich will junge Menschen ermutigen, die Möglichkeiten des Glaubens neu zu entdecken.“
Links: Die serbische Performance- und Konzeptkünstlerin Marina Abramović bezeichnet sich als spirituell, aber nicht religiös. In „Vladdka" (2007, Pigmentdruck auf Harman-Glanzpapier, 35,2 x 35,2 cm) erscheint sie als Mutter Gottes, die mit entschlossener Geste auf das weibliche Geschlecht ihres (Jesus-)Kindes zeigt.
Rechts: Valie Export hinterfragt mit „Die Geburtenmadonna" (1976, C-Print, 61 x 50,5 cm) ein von kirchlichen Traditionen geprägtes Frauenbild, das bis in die Gegenwart stark von einem männlichen Blick dominiert wird: das bürgerliche Ideal der Hausfrau und Mutter.
Es ist bestimmt nicht nur Unwissen, sondern oft das Gegenteil: mehr und neues Wissen über die Kirchen, zum Beispiel über Missbrauch …
Ja, auch das gehört leider zur Kirche, weil auch bei uns nur Menschen arbeiten, und nicht alle haben sich so im Griff, wie es sein müsste. Deshalb halten viele Menschen ihre Kirche nicht mehr aus und sind enttäuscht. Aber Glauben bedeutet nicht, alles zu akzeptieren, was schiefläuft, sondern das Verhältnis zu dem, was Kirche sein kann, selbst zu gestalten. Ich will junge Menschen ermutigen, die Möglichkeiten des Glaubens neu zu entdecken.
Wie wollen Sie das schaffen?
Ich möchte mit ihnen genauso ins Gespräch kommen, wie mit Ihnen in diesem Augenblick. Im öffentlichen Leben, in Schulen, an Orten der Kunst oder der Wissenschaft, in Diskussionen über Politik und humanitäre Werte. Und natürlich in unseren Kirchen, in denen wir feiern, diskutieren, singen und beten. Das ist heilsam. Ich glaube, dass viele junge Menschen noch nie erfahren haben, wie offen und kritisch zugleich man über Glaubensfragen sprechen kann.
Martin Kippenbergers Arbeit „Fred the Frog Rings the Bell" (1990, Holz, Lack, Nägel, 129,8 x 110 x 24,1 cm) entfachte bereits 2008 bei der Eröffnungsausstellung im Museion in Bozen (Südtirol) einen Kunstskandal. Die gekreuzigte Comicfigur sei seine Antwort auf den Jesuskitsch, so der Künstler.
„Der Künstler möchte mit dem Bild kritisieren, dass in vielen Stuben ein Kruzifix im Hergottswinkel hängt, während darunter ein Leben geführt wird, das mit christlichen Werten wenig zu tun hat. Aber dann müsste er konsequent sein und die Szene in der Stube darstellen. Mich stört, dass hier die Geschichte eines sehr konkreten Menschen verspottet wird: die eines jungen Mannes, der etwas verändern wollte und unschuldig gekreuzigt wurde – und genau das darf nie wieder vorkommen. Das ist eine der vielen Botschaften des Karfreitags“, so die Bischöfin.
In der Ausstellung erleben wir die schmale Grenze zwischen Respekt vor religiösen Symbolen und künstlerischer Freiheit. Sind Sie schockiert?
Ich finde, es ist wichtig, sich darauf einzulassen: eine Führung mitzumachen und sich Zeit zu nehmen. Man muss nicht jedes Kunstwerk gut finden. Auch ich finde manche Arbeiten in der Ausstellung oberflächlich. Den gekreuzigten Frosch von Martin Kippenberger finde ich zum Beispiel einfach geschmacklos! Er trifft gar nicht, was er eigentlich kritisieren möchte.
Sie sind Wissenschaftlerin, Pfarrerin, Bischöfin. Bleibt da noch Zeit für anderes?
Die Theologie ist meine Leidenschaft, mein Hobby und mein Lebensinhalt. Ich beschäftige mich von morgens bis abends mit nichts anderem. Aber dazwischen gehe ich spazieren, ins Kaffeehaus, in Konzerte und gerne auch auf Bälle.
Cornelia Richter (*1970) wuchs in Bad Goisern auf und absolvierte ihr Theologiestudium in Wien und München. 2012 wurde sie nach Bonn berufen und war dort von 2012 bis 2020 Professorin für Systematische Theologie. In diesem Fach denkt man über die Kernthemen des christlichen Glaubens nach. Es geht um Gottesvorstellungen, um Jesus Christus, um die Frage, was ein Mensch ist. Es geht um Sünde und Rechtfertigung, aber auch um ethische Themen, Religionsphilosophie und die Theologiegeschichte. Seit 2020 hat Richter die Bonner Professur für Dogmatik und Religionsphilosophie inne. 2020 bis 2024 leitete sie als erste Dekanin die Evangelisch-Theologische Fakultät in Bonn und seit 2024 ist sie als erste Frau Vorsitzende des Senats der Universität Bonn. Cornelia Richter trat Ende 2025 ihr Amt als Bischöfin der Evangelischen Kirche A. B. in Österreich an. Hier kann man ihre wissenschaftlichen Publikationen lesen.