Der Fotograf

Ein Selbstporträt

Mein Name ist Paul Pibernig. Das Fotografieren bedeutet für mich, mit der Außenwelt in eine Beziehung zu treten und sie mit allen Dimensionen der Wahrnehmung zugänglich zu machen. Ich habe meistens eine Kamera bei mir, bin dadurch stets in erhöhter Aufmerksamkeit meiner Umwelt gegenüber und immer auf der Suche nach guten Bildern.

Mit dem Fotografieren versuche ich neue Dinge auszuprobieren, sei es betreffend der Art und Weise der Aufnahme, der Perspektive oder sei es in Bezug auf die Dinge, die Situationen oder die Menschen, die ich abbilden möchte.

Technik spielt bei mir durchaus eine große Rolle. Verschiedene Kameras machen verschiedene Bilder. Sie sind eben eines der Werkzeuge der Fotografie und ihre Beschaffenheit verändert auch den Umgang mit dem Material und ermöglicht mir neue Art von Bildern.

Aufgewachsen bin ich am Land in der Weststeiermark. Nach der Schule hat es mich zum Studium gleich nach Wien gezogen. Ich lebe sehr gerne in dieser "familären" Stadt, die meine intimsten Freunde beheimatet und oft neue spannende Gestalten "ausspuckt". Ich gehe oft in Wien spazieren und lasse so meinem Betrachtergeist freien Lauf, indem ich repetitiv bestimmte Wege und Orte regelmäßig abschreite.

Frei nach Kleist vervollständigen sich die Ideen und ordnen sich verstrickte Gedanken bei mir beim Gehen und Betrachten. Gleichzeitig bemerke ich so, wie sich die Gegenden allmählich verändern.

Wie das Areal des Universitätszentrums Althanstraße - der alten WU. Ein städtebaulicher Wahnsinn, aber da geht man wie auf dem High Line Park oder dem Viaduc des Arts auf erhöhtem Terrain und sieht die Stadt aus einer ungewohnten Perspektive. Ein paar der Gebäude dort sind mittlerweile völlig ausgeweidet, sodass nur noch das Betongerippe steht. Ein bisschen Postapokalypse im 9. Bezirk.

Auf der Suche nach Bildern höre ich auf mein Bauchgefühl und auf die Stimmung in meiner Umgebung. Oft sind es Kleinigkeiten, die eine Ahnung oder ein Gefühl erzeugen, und mich dann auf eine Idee bringen können. Der Zufall ist hier ein willkommener Freund. Ich versuche bei meiner Arbeit, eine gewisse Naivität beizubehalten, um auf Zufälle und Banalitäten unvoreingenommen und frei reagieren zu können.

Neben meiner eigenständigen Arbeit schätze ich es sehr mit anderen FotografInnen und KünstlerInnen zusammen zu arbeiten. So gibt es zum Beispiel das Reisefoto-Projekt Nuns/N/Guns zusammen mit dem Fotografen Peter Jaunig. Ein wichtiges Projekt ist auch You Have Your Family I HAVE MINE, bei dem wir vor kurzem als sechsköpfiges Künstlerkollektiv unsere dritte Publikation herausgegeben haben. Zur Zeit arbeite ich an meiner ersten Solopublikation über meine Arbeit bei der Diagonale.