Bis 30.09.: Ausstellung KISS der Kunsthalle Wien

Kunst & Küsse

Nähe und Intimität? Virenalarm! Statt Bussi-Bussi gilt im öffentlichen Raum jetzt Babyelefanten-Abstand, statt mit Abschiedsumarmungen, verlassen wir einander oft mit einem traurigen Ellbogen-Stupser. Die Ausstellung KISS der Kunsthalle Wien, die bis Ende September im Wiener Stadtraum zu sehen und zu erleben ist, lotet humorvoll bis abstrakt das Spannungsfeld zwischen dem Bedürfnis nach Köperkontakt und dessen gleichzeitiger Unmöglichkeit mit künstlerischen Projekten von sechs Wiener Künstlerinnen aus. Sehr empfehlenswert!

Angesichts zum Kuss geschürzter Lippen fürchten wir Viren, bei ausgestreckter Hand Ansteckungspotenzial! Seit der Pandemie ist im öffentlichen Raum eine neue Widersprüchlichkeit eingezogen, die viele Formen alltäglicher Intimität unbehaglich werden ließ. Die Ausstellung KISS, die von Laura Amann, Anne FaucheretAziza Harmel und dem Kuratorinnenkollektiv WHW kuratiert worden ist, fürchtet die Nähe der Besucherinnen jedoch nicht. Beiträge der Künstlerinnen Eva EgermannThomas GeigerElke Silvia KrystufekRade PetrasevicMargot Pilz und Johanna Tinzl sollen im öffentlichen Raum „einen Akt gesellschaftlicher und kultureller Inimität vollziehen“ – aber keine Sorge der Name ist hier nicht Programm: durch Kunst, nicht durch Küsse!

Zu sehen sind unter anderem über die Stadt verteilte Plakate und Banner von Eva Egermann, die mit Zitaten der Autorin Ianina Ilitcheva arbeitet, die zugleich poetisch und forsch die politischen Maßnahmen des Lockdowns hinterfragen.

Elke Silvia Krystufek wird im Rahmen von KISS ein Grabmal am Karlsplatz errichten, das für oft ungewollt verlaufende, falsch überlieferte und missverstandene Lebensgeschichten vieler Frauen stehen soll, darunter insbesondere für jene ihrer Mutter Hedwig Krystufek, zu der sie ein schwieriges Verhältnis bindet, eine sehr persönliche und komplexe Trauerarbeit über Nähe und Abstand.

Auch Margot Pilz wird am Karlsplatz ein Denkmal errichten "errichtet der ungewürdigten Leistung der unbekannten Hausfrau“. Die Künstlerin Johanna Tinzl, die sich in ihren Arbeiten mit Biografien auseinandersetzt, präsentiert drei Plakate im Haupthof des Museumsquartiers, die die 90-jährige Holocaustüberlebende Helga Pollak-Kinsky an drei Orten in Wien porträtieren, die für sie sowohl vor ihrer Flucht 1938 als auch nach ihrer Rückkehr 1957 von Bedeutung waren.


Begleitet werden die künstlerischen Beiträge von einem Veranstaltungsprogramm und neuen Stationen, die laufend ergänzt werden. Performance-, Installations- und Sprachkünstler Thomas Geiger wird bis 2. August eine neue Ausgabe seines Festival of Minimal Action realisieren, in dessen Rahmen er täglich Performances von Künstlerinnen aus aller Welt am Reumannplatz wiederaufführt. 

Die Ausstellung KISS  ist bis 30. September zu sehen. Regelmäßig aktualisierte Informationen werden auf der Website sowie über die Social-Media-Kanäle der Kunsthall Wien kommuniziert.

Veranstaltungen

Eva Egermann: Halt mich fest! 

Ein Gespräch über crip-/queere (Sub-) Kulturen, Zukünfte des Aufeinanderaufpassens und biopolitisches Management in Krisenzeiten

24.07., 18 Uhr, Central Garden / Salon du Smog, Donaukanal, Untere Donaustraße 41, 1020 Wien

Margot Pilz: Hausfrauendenkmal 

Enthüllung des Hausfrauendenkmals & Zehn Manifeste für Hausfrauen

30.07., 18 Uhr, Karlsplatz, Resselpark

Bussi Baba: Schick eine Botschaft in die Welt!

Kinderworkshop, Anmeldung unter vermittlung@kunsthallewien.at

31.07., 17-19 Uhr, Karlsplatz, Resselpark

Kollektive Demontage des Hausfrauendenkmals & Prozession

1.08., ab 19 Uhr, Karlsplatz, Resselpark